Gehen wir ein Stück durch das alte Krummöls ...

von Wolfgang Knoblich

Ehe wir uns auf den Weg machen, das Dorf zu erkunden, wollen wir uns zunächst darauf besinnen, auf was wir uns hier einlassen. Es ist nicht mehr und nicht weniger als eine alte deutsche Dorfansiedlung die im Schatten der Stadt, des Klosters von Liebenthal entstanden ist. Im Jahr 1287 gründete die Witwe Jutta von Liebenthal das Kloster, im Jahr 1291 erhielt Liebenthal durch Bolko I. von Schweidnitz-Jauer das Magdeburger-Löwenberger Stadtrecht, wie wir in den Annalen nachlesen können.

 

Schon früh findet der kleine Weiler Crummenöls oder Krummöls hier und da in Laufe der Zeit Erwähnung. Meistens im Zusammenhang mit der Stadt Liebenthal. Viel, was die Welt bewegt hätte, hat sich hier nicht ereignet. Einige Größen ihrer Zeit sollen hier oder zumindest in der näheren Umgebung ihr Kriegslager genommen haben um sich tüchtig mit dem Feinde zu schlagen. Genützt hat es den Dörflern eh nichts, ganz im Gegenteil. Wir können an dieser Stelle den Chronisten zu Wort kommen lassen, der es wohl wissen muss.

 

Der Chronist ist in unserem Falle der „Königl. Kreis-Sekretair" T. Heinze und sein Werk heißt „Geographisch-statistisch-geschichtliche Uebersicht des Löwenbergschen Kreises in Schlesien", erschienen 1825 und gedruckt bei Dittrich in Löwenberg. Heinze ist, heute würden wir sagen, ein höherer Beamter, der viele Daten und Fakten seinerzeit über den Kreis zusammengetragen hat. Er schreibt hierzu in seiner Schilderung der Umgebung von Liebenthal bezogen auf die geographische Lage von Krummöls zu Liebenthal folgendes:

 

„Gegen Mitternacht (liegen): die Crummenölser und Geppersdorfer Berge oder sogenannten Schanzen; sie sind merkwürdig, weil im siebenjährigen Kriege Friedrich II. auf denselben ein sehr bedeutendes Feldlager gegen Landon aufschlug, wozu er die darauf befindlichen Schanzen welche im dreißigjährigen Kriege von den Schweden angelegt worden waren und die theilweise noch heute sichtbar sind, benutzte."

 

Und weiter lesen wir in selbigem Werke an anderer Stelle zur Beschreibung von Krummöls:

 

„Crummen-Oels, 2 Meilen von Löwenberg, ehemals unter das Stift Liebenthal jetzt dem Fisko gehörig, mit 1 katholischen, sehr reichen Kirche, 2 kathol. Schulen, 2 Wassermühlen, 1 Brettschneidemühle, 34 Bauern, 17 Gärtnern, 211 Häuslern und 1185 Einwohnern, wovon nur 6 Lutheraner, die übrigen Katholiken sind. Durch dass lange Dorf, welches gegen Mittag nur ¼ Stunde von Liebenthal und gegen Abend nur ½ Stunde von Greiffenberg entfernt liegt, fließt der sogenannte Oels-Bach, welcher bisweilen so bedeutend anschwillt, dass er nicht geringen Schaden an Häusern und in Gärten anrichtet. Er kommt in der Richtung von Hennersdorf, wo er entspringt, über Ullersdorf, Geppersdorf und Liebenthal her, und fließt bei Greiffenberg in den Quais. Wegen der öfteren Ueberschwemmungen durch diesen Bach wird der Ort auch Wasser-Oels genannt. Das Dorf ist reich an guten Wiesen und bedeutenden Torfstichen; der größte Theil der Bewohner nährt sich von Garnspinnen. Im Kriege von 1813 erlitt besonders der obere, nach Liebenthal zu gelegene Theil des Dorfes, viel durch die nahe dabei etablirten französischen und russischen Bivouaks."


Wie so viele schlesische Dörfer zeichnet sich Krummöls durch seine lang gezogene Form aus. Das Dorf hat wohl eine Länge von gut 4 Kilometern. Die Ansiedlungen nahmen in der Nähe oder direkt am Ufer des kleinen Flusses Ölse im Laufe der Zeit ihren Raum und nun schlängelt sich die Chaussee, die Ölse und später dann auch die Eisenbahn mehr oder weniger verträglich nebeneinander durch das Dorf. Mal springen die Eisenbahnschienen über die Straße, dann wieder hüpft die Straße über die Ölse, mal scheinen sie alle drei nicht so recht zu wissen, wer nun im Verlauf die richtige Spur gewählt hat. Wenn wir richtig gezählt haben, so gibt es wohl 18 Brücken über die Ölse, sei es von der Eisenbahn oder von Straßen und Wegen. Dieses hin und her von Hauptstraße, Eisenbahn und Flüsschen, hat so manchen zu einem sportlichen Wettkampf zwischen Bahn und Automobil verleitet, worüber an späterer Stelle noch berichtet werden soll. Aber kommen wir zurück zum Dorf. Wir denken uns in die zwanziger, dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Man hat wohl etwas mehr als 1000 Einwohner und wenn wir uns vorstellen, dass zu jedem ordentlichen Haushalt mindestens 1 Hund gehört, so gesellen sich bestimmt über hundert vierbeinige Freunde hinzu. Von Katzen, Hühnern und anderem Getier wollen wir erst gar nicht reden.

 

Wenn wir unseren Weg durch Krummöls nun von der Liebenthaler Seite aus entlang der Hauptstraße beginnen, so erreichen wir nach kurzem Fußwege, von weitem schon gut sichtbar zur Linken gelegen, eine große Molkerei. Viele aus dem Dorf haben hier Arbeit gefunden. Es sind mehrere Gebäudeteile, die den Molkereibetrieb ausmachen. Direkt gegenüber liegt das Bahnhofshotel, ein stattlicher Bau und man wundert sich, dass eine so kleine Stadt wie Liebenthal über ein solches Hotel verfügt.

 

Kurz danach erreichen wir den alten Turm. Es ist die Ruine des alten Kirchturms der Kirche von Krummöls. die einst hier ihren Platz hatte. Sie wurde bei einem Unwetter in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Opfer der Naturgewalten.


Hier verlassen wir nun die Chaussee, die nach Krummöls führt, und biegen am alten Turm nach rechts ab in eine schmale Gasse. Am Ende der Gasse führt eine Brücke über die Krumme Ölse. Hier gehen wir hinüber und anschließend den Berg hinauf. Wir wollen nämlich der Familie Helbig einen Besuch abstatten. 

 

Nachdem wir nun bei "Milch-Halbchs"  gewesen sind, kehren wir wieder auf die Hauptstrasse zurück und wandern weiter Richtung Krummöls. 

 

Es dauert nur eine kleine Weile und wir erblicken einen Bahnhof, der auf der rechten Seite gelegen ist. Das Auge des Betrachters liest mit Verwunderung, dass es sich hierbei um den Bahnhof der Stadt Liebenthal handelt, obwohl wir uns schon auf dem Gebiet der Gemeinde Krummöls befinden. So mancher wird uns im Dorf noch davon erzählen, dass Liebenthal ja nicht mal einen Bahnhof sein eigen nennen kann, da hilft auch das große Hotel nichts.



wird fortgesetzt

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