Krummöls / Schlesien
Krummöls / Schlesien

Die Familie Helbig

(bei Mühlstelzern und Milchhalbchs)

von Wolfgang Knoblich und Rita Overkamp

 

Teil 1

Vater Franz Helbig, Söhne Gerhard und Franz

Nach kurzer Zeit erreichen wir auf der rechten Seite das Haus Krummöls Nr. 8 b. Dort wohnt Franz Helbig mit seiner Frau Angela. Man nennt es dort „Bei Mühlstelzern“. Wir gehen um das Haus herum, um zum Eingang zu gelangen. Der Hauseingang liegt im Innenhof nach Süden ausgerichtet und hat, wie so viele schlesische Bauernhäuser einen schönen, überdachten Vorbau aus Holz, gewissermaßen eine kleine Laube. Man muß die zwei Stufen nehmen, ehe man an die Haustür klopfen kann. Links und rechts befinden sich zwei längs ausgerichteten Bänke, auf denen sich wunderbar auf einen Schwatz vor dem Haus sitzen läßt. Auch wenn es nicht so ein Sonnentag ist, wie heute, hier sitzt man auch geschützt bei leichtem Regen. Wenn man vor dem Haus steht so bemerkt man, dass der rechte Teil des Hauses als Stallung dient. Im linken Teil wohnt die Familie. Wir klopfen an die Tür und wollen sehen, ob jemand zu Hause ist. Nach einer Weile öffnet uns die alte Frau Stelzer.


Wir sind neugierig und wollen etwas über den Hof und die Leute erfahren.


„Nu kummt ag nei, dessa isses viel zu worm“, begrüßt uns Klara Stelzer freundlich. 

Gerne folgen wir ihr. Die kleine Frau  mit den streng zurückgekämmten Haaren, die zu einem Dutt zusammengeknüpft sind, geht voraus durch die Küche ins kleine Stübl. Sie ist alleine zu Hause. Die anderen Familienmitglieder sind auf den Feldern und arbeiten, auch die Kinder.

„Nu setzt euch ag, dann wer ich euch erzähln, woas ir wissa wullt“ sagt sie, „aber erscht gibt´s a Stickl Streselkucha und a Tippel Koffee!“

So lassen wir es uns gefallen und obwohl es noch früh am Tag für Kaffee und Kuchen ist, nehmen wir gerne am Tisch platz. Während sie am Herd hantiert und den Kuchen hervorholt, den sie natürlich selbst gebacken hat, beginnt sie zu erzählen.

Sie ist die Mutter von Angela, der Frau von Franz Helbig, so erfahren wir. Klara Stelzer lebt mit ihrem Mann Benedikt ebenfalls hier auf dem Hof. Die erste Frau von Benedikt hieß Maria Stelzer und stammte aus einer Mühle, daher der Name Mühlstelzer. 

von links nach rechts: Luzia, Gerhard, Maria, Franz und Cäcilia Helbig

Die Helbigs haben 5 Kinder: Gerhard, Luzia, Maria, Cäcilia und Franz. Die Familie betreibt Landwirtschaft, Großvater Benedikt, der Mann von Klara, hält Bienen und betätigt sich als Schwarzvieh-Händler und Viehdoktor. Die Leute im Dorf bitten ihn oft um Hilfe, wenn das Vieh krank wird. Dann weiß der alte Stelzer zu helfen.

Ab 1935 heißt es hier auf dem Hof „Bei Milch-Halbchs“, denn der junge Franz Helbig übernimmt den Milchtransport für die Gemeinde Krummöls zur Molkerei nach Liebenthal. und fährt jeden Morgen mit seinem Pferdegespann durch das Dorf. Schon früh um 4 Uhr im Sommer und um 5 Uhr im Winter muss er aufstehen, um sein Pferdegespann für den Abholdienst fertig zu machen. An jedem Tag in der Woche, bei Wind und Wetter fährt er los. Im Winter, wenn Schnee liegt,  wird der Wagen durch einen Pferdeschlitten ersetzt.

Do wisst ihr´s“, seufzt die Klara, „bei uns gitt´s frih eihs Bette! Mir missa frih naus! Jeda Täag.“ 

Sie berichtet weiter: Wenn der Franz an der Mittelschmiede den Ölsebach überquert, hat der Bauer Johann Reimann als erster die Milchkannen schon am Weg abgestellt. Danach kommen die Bauern Döring, Wolscht, Heller, Helbig usw. bis zur Ölsebach-Überquerung bei August Beier an die Reihe.

„Die Maria“, so erzählt Klara, „dos ist die zweitältste Tochter vom Franz, die muss jeda Murja mit inserm dritta Pferd und noch an  Ochsa unda am Wehr stinn. Die Viecher muss der Franz noch vorsponn, sunst gitt´s ne a Berg nuff.“

Das alles muss mit Tempo gehen, denn der Lastwagen an der Molkerei in Liebenthal wartet nicht. Wer nicht rechtzeitig seine Kannen vor dem Hof hat, muss sehen, wie er seine Milchkannen nach Liebenthal gebracht bekommt. Anschließend fährt der Franz eine neue Runde durch das Dorf und liefert die Milchkannen wieder bei den Besitzern ab.


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